Von der Schattenmühle durch die Wutachschlucht zur Wutachmühle

Es gibt Momente, an denen stimmt einfach alles… Der Zeitpunkt, die Menschen, die Umstände… Auf solche Momente warten wir. Wir arbeiten darauf hin. Und wenn es so weit ist, dann saugen wir alles auf wie ein brachliegender Schwamm. Solch einen Moment stellt unsere Tour in der Wutachschlucht dar.

Bereits im letzten Jahr hatten wir quasi fast schon auf den Weg, bevor alles anders lief als geplant. Termin stand fest, Pension war gebucht. Wenige Tage vor der Abreise stellte sich mehr und mehr heraus, dass wir mit Regen bis hin zu Unwettern zu rechnen haben. Tja und eine Woche vor Abfahrt ging dann noch Geröll ab in der Schlucht. Mehr als genug Gründe, Reise und Pension abzusagen und eine Alternative zu suchen, welche wir im Allgäu fanden. Gleichzeitig war uns klar, dass die Sache aufgeschoben war, nicht aufgehoben. Wutachschlucht 2016. Und Anfang dieses Jahrs begann die Planung. Schnell stellte sich heraus, dass dieses Mal einige Leute mehr dabei sein sollten als sonst. Am Ende kamen wir auf 10 Erwachsene, ein Kleinkind und ein Hund. Das war mal eine andere Hausnummer als Wandern mit 3-4 Leuten.

Im Vorjahr hatten wir schon eine Pension klargemacht, welche wir nach der Sperrung der Schlucht dann leider abgesagt haben. Die Betreiberfamilie war damals schon absolut kulant und total nett, so dass für uns dieses Jahr gleich klar war, dass wir nur dort buchen wollten. Zu unserem Glück waren an dem anvisierten Wochenende bei der Pension Zum Hirschen in Wutach noch genug Zimmer frei, um die ganze Meute erfolgreich unterzubringen. Und das war eine sehr gute Wahl, denn direkt vor der Haustür geht es per Bus kostenlos durch die von der Pension ausgegebene KONUS-Gästekarte mit dem Wanderbus Wutachschlucht zum Ausgangspunkt unserer Tour durch die Schlucht. Lediglich für den Hund mussten wir weitere 2 Euro berappen, da diese von der Card ausgenommen sind.

Das Abenteuer beginnt an der Schattenmühle, auf dessen Parkplatz der Bus hält. Wir schultern die Rucksäcke und machen uns auf den Weg. An der Schattenmühle verweilen wir noch etwas und saugen die ersten Eindrücke auf, bevor wir endlich den Weg durch die Schlucht betreten. Ab hier geht der Zauber der Wutachschlucht endlich richtig los. Und ein Mehr an Abwechslungsreichtum und wunderschönen Eindrücken ist kaum machbar. Es geht bergauf auf kleinen Pfaden, um im Anschluss wieder sanft abzufallen. Man verharrt an kleinen Felslöchern, entdeckt plötzlich eine kleine Höhle. Alles ist satt grün, unterbrochen von wunderschönen Blumen getränkten Wiesen. Immer wieder kreuzt Wasser den Weg. Und nach einiger Zeit kommen wir an einem der ersten der bekanntesten Stellen vorbei. Ein überhängender Felsen, aus dessen Moos Dach ununterbrochen Rinnsale herunterstürzen. Wir bleiben machen hier eine kleine Pause und ein Gruppenfoto. Die Stimmung ist absolut toll.

Weiter geht es durch die Schlucht. Immer begleitet vom Rauschen und Plätschern der stets nahen Wutach. Wir wandern durch den Wald und über Wiesen. Plötzlich befindet sich zu unseren Rechten eine kleine, seit Jahren unbenutzte Kapelle, auf deren Zerfall die entsprechenden Warnschilder hinweisen, welches das Betreten verbieten. Man gewinnt aber schnell einen Eindruck, wenn man sich davorstellt. Kaum vorzustellen, dass hier wahrscheinlich früher Menschen lebten, um die Kapelle zu unterhalten. Man kann nur hoffen, dass sich wer findet, um die Kapelle zu erhalten oder sie gar zu restaurieren.

Die Schlucht wird nun etwas breiter. Wir überqueren Brücken, welche uns emporragenden Felsen näherbringen, an deren Seite wir entlangwandern. Es geht nun oft angenehm bergauf, was dazu führt, dass wir mehr und mehr Panoramablicke dargeboten bekommen. Der klare Himmel lässt uns weit blicken, das wunderschöne Wetter und der damit verbundene Sonnenschein lassen alles in satten Farben erstrahlen. Wir halten immer wieder mal inne und genießen kurz, bewegen uns dann wieder weiter, ständig entlang neuer wunderbarer Abschnitte. Nie werden wir enttäuscht. An kleinen Seitenbächen machen wir kurz Pause und kühlen die Füße im kalten, klaren Nass.

Wir gelangen zu einer größeren Lichtung mit Rastplatz. Bei diesem guten Wetter sind rund 50 Leute anwesend. Die Sonne steht freundlich am Himmel, wir genießen unter ihrer Strahlkraft eine schöne Pause. Einer unserer Gruppe hat Bärlauch entdeckt und ich garniere mein mitgebrachtes Käse-Brötchen mit frischem Bärlauch. Während des Essens höre nehme ich Wortfetzen der Leute um uns herum wahr. Französisch und Englisch sind zu hören. Dialekte aus dem ganzen Bundesgebiet kommen hinzu. Die Wutachschlucht zieht viele Besucher an. Mit Recht.

Wir wandern weiter durch die Schlucht. Plötzlich findet sich links von uns eine der schönsten Plätze auf der Wanderung. Ein Steinstrand, welcher im Wasser endet. Die hier sehr kräftige Wutach hat sich unter die sich gegenüber erhebende Felswand gearbeitet. Umsäumt ist alles von hoch aufragenden Bäumen. Erneut lassen wir die Füße in der Wutach kühlen. Der Hund springt ausgelassen durch die Fluten, hält aber respektvoll Abstand vor den stark strömenden Stellen. Die Power der Natur ist hier ganz nah zu spüren. Ich könnte hier ewig verweilen…

Erneut gehen wir weiter über sehr schöne Pfade. Immer öfter schmiegt sich der Weg an die Felswände. Der Fluss wird einige Male über Brücken gekreuzt. Die Wutach naht sich mehr und mehr dem Weg. Und dann ist sie unmittelbar neben uns. Ein schmaler felsiger Pfad entlang des Felsmassivs zur Rechten trennt uns vom Gluckern und Glucksen. Es ist eine unglaublich schöne Stelle auf dieser Wanderung. Wir müssen das Tempo etwas verringern. Die Steine sind teilweise rutschig vom Wasser. Der Schritt muss hier mit Bedacht gesetzt werden. An zwei Stellen müssen wir einen Ausfallschritt wagen, da sich hier kleine Klüfte im Pfad auftun. Aber auch diesen Abschnitt meistern wir mit Bravour. Es bleiben die Eindrücke eines der schönsten Stellen entlang der Wutach.

Der letzte Abschnitt naht. Diesen werde ich mein Leben lang vor allem mit einem Gewächs verbinden: Bärlauch. Während bei uns in Hessen die Zeit dafür rum ist, herrscht in der Schlucht ein verspäteter Frühling. Und dieser lässt diese leckere Pflanze überall sprießen. Man kann den Weg nicht verlassen, ohne umringt vom Bärlauch zu sein. Er wächst auf Wiesen, den Abhang links von uns herunter, an den unteren Metern des Felsens rechts, ist allgegenwärtig. Wir nutzen das aus, sammeln für ein leckeres Pesto zu Hause. Immer wieder pflücke ich mir ein Blatt und esse es auf dem weiteren Weg. Man sollte eigentlich mit großen Körben zurückkehren, um viel mehr dieser herrlichen Pflanze einzusammeln.

Die letzten wenigen Meter der Strecke erwarten uns. Wir verlassen die Schlucht und kommen an einem Sägewerk raus. Wenige hundert Meter vor uns sehen wir schon den Endpunkt der Tour an der Wutachmühle. Der gleichnamige Kiosk wird geentert. Angenehm müde aber total glücklich nehmen wir Platz und belohnen uns mit Kaffee und Kuchen, Bratwurst, Bierchen, Aperol oder was auch immer wir gerade wollen. Und bei allen herrscht die gleiche Meinung vor: Das war eine der schönsten Wanderungen, welche wir je gemacht haben! Alles war herausragend und jeder von uns würde immer wieder zurückkehren in die wunderschöne Wutachschlucht! Gestärkt und zufrieden fahren Wir mit dem Bus zurück, welcher auch dieses Mal direkt vor unserer Pension hält.

Fazit zur Wanderung von der Schattenmühle durch die Wutachschlucht zur Wutachmühle

Ich spreche für alle Beteiligten, wenn ich sage, dass diese Tour außergewöhnlich schön ist, wahrscheinlich eine der schönsten Strecken überhaupt in unserem Land. Ein kaum gesehener Abwechslungsreichtum, Pfade in alles Formen und Farben, Felsen, Rinnsale, Wasserfälle, ruhiges Gewässer, sprudelndes Gewässer, reißendes Gewässer, Panoramablick, Blumenwiesen, Bärlauchfelder… Man kann kaum aufhören aufzuzählen. Unglaublich schön das alles! Und die Wutach immer ein treuer Begleiter. Dabei so rein und sauber, immer kann man den Grund erkennen. Glasklar bleibt sie an der Seite der Besucher von Anfang an bis zum Ende. Jeder von uns war der Meinung, dass es kaum zu toppen geht. Zum Schluss blickt man in ausnahmslos glückliche Gesichter und weiß, dass es ein nahezu perfekter Tag war. Eine absolute Empfehlung aus 10 Kehlen! 🙂

Zusammenfassung der Tour

Ausgangspunkt: Schattenmühle
Endpunkt: Wutachmühle
Strecke: Rund 14,5 km
Begangen im Mai 2016
Dauer: Mit ausgiebigen Pausen und gemächlichem Tempo gut 6 Stunden
Schwierigkeit: Leicht bis Mittel. Selten anstrengend.
Wege: Pfade in allen Formen und Farben, keine Straßen etc.
Klettersteig: Nein
Rundweg: Nein
Schwindelfreiheit: Nicht notwendig
Trittsicherheit: Sollte gegeben sein. Das Wasser ist allgegenwärtig, entsprechend auch immer wieder leicht rutschige Momente
Ausschilderung: Immer gut ausgeschildert, aber eigentlich kaum notwendig
Die GPX-Datei ist bei GPSies verfügbar: http://www.gpsies.com/map.do?fileId=dxhzeivlmeelgnpc

Jochen C

Frei und raus. Wandern, Outdoor, Sport. Und immer auf der Suche nach Herausforderungen und Spaß. In meinem Blog möchte ich das Erlebte festhalten und teilen. Inspirieren, motivieren, beraten. Und einfach genießen zu schreiben 🙂

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