Hier findet ihr den Blogbericht über den ersten Tag dieser Hüttentour im Allgäu:
Hüttentour über Alpe Eschbach, Enzianhütte, Rappenseehütte, Schwarze Hütte, Einödsbach, Birgsau
Tag 2 – Von der Rappenseehütte über Schwarze Hütte und Einödsbach nach Birgsau
Abschied von der Rappenseehütte und Abstieg über Eselweg zur Schwarzen Hütte
Der Morgen begrüßt uns mit einem sonnigen Lächeln. Der Tag verspricht richtig schön zu werden. Es sind Temperaturen bis zu 25 Grad angekündigt. Eigentlich Top Voraussetzungen, um nun zur Kemptner Hütte über den Heilbronner Weg aufzubrechen. Leider muss ich den Tatsachen ins Gesicht schauen: Mir fehlt die Kraft dafür heute. Und die alpine Erfahrung. Meine Trittsicherheit leidet schon durch das Kopfkino. Mangelnde Kraft und vor allem rutschiges Gestein tun den Rest. Es wäre Wahnsinn und absolut verantwortungslos, wenn ich mich unter diesen Umständen den anderen beiden anschließe und hier weiter mache. Ein anderes Mal dann halt. So verabschiede ich mich recht früh von Andy und Thomas, die den Heilbronner Weg nach unserem gemeinsamen, kräftigenden Frühstück machen werden. Meine Tour führt mich ein Stück weit zurück aus der Richtung des gestrigen Aufstiegs, biegt dann aber auf den Eselweg ab. Gut 850 Hm Abstieg bis zur Schwarzen Hütte warten auf mich.Meine Sachen habe ich schnell gepackt. Die ersten Meter auf dem Weg sind etwas steif. Man merkt dann doch, dass man am Vortag schon was geleistet hat. Aber tolles Wetter, frische Luft, eine wunderschöne Landschaft und Bewegung, lassen die müden Beine wieder geschmeidiger werden. Es geht gemütlich auf breiteren Pfaden Richtung Tal. Die Höhenmeter purzeln recht fix. Weiden und Wald begleiten meinen Weg. Kühe weiden in der warmen Morgensonne. Ich halte an, um ein paar Eindrücke fotografisch festzuhalten. Eine Kuh kommt neugierig näher, ich bin gebannt. Leider kommt sie nicht ganz zu mir an den Zaun. Dafür werde ich beim Umdrehen auf den Weg von zwei Hühnern überrascht, die von unten den Weg hoch gelaufen kommen. Sie lassen sich groß von mir stören. Im Gegensatz. Eines lässt sich sogar streicheln, als wäre es ganz selbstverständlich. Ein kurioses Treffen. Die beiden ziehen weiter, picken immer auf dem Weg rum. Ich folge meinem Weg ebenfalls.Irgendwann mehren sich die Steine und Wurzeln auf dem Pfad. Es geht langsam in den Wald hinein. Immer mehr Gestein durchzieht den Boden. Es ist feucht von dem Regen des Vortages. Matsch mischt sich dazu. Es wird weiter beschwerlicher, immer wieder rutsche ich aus, ohne jedoch zu stürzen. Es zehrt natürlich an den Kraftreserven. An manchen Stellen muss ich sehr vorsichtig sein, die Hände helfen mit aus. Stellenweise hat man vor sich fast den Abgrund, muss dort vorbei über glitschiges Gestein. Es gibt angenehmere Wege. Aber mit jedem Schritt kommt auch ein Stück Trittsicherheit dazu. Außerdem entschädigt die Natur um mich herum immer wieder für alles. Die Pflanzen duften herrlich, Wasserfälle und Bäche rauschen immer in der Nähe. Die Bäume geben zwischenzeitlich tolle Aussichten auf die Hänge der umgebenden Bergwelt und ins Tal frei. So bleiben zwei Drittel des Weges zwar anstrengend und stellenweise herausfordernd, aber am Ende grüßt die Schwarze Hütte. Die letzten Meter freuen sich die Füße über ebenerdigen Boden, welcher zur Hütte trägt und mit einem leckeren, kühlen Radler endet 🙂
Von der Schwarzen Hütte nach Birgsau
Frisch gestärkt geht es auf die letzten Meter. Ich bin gespannt was mich erwartet. In der Rappenseehütte wurde es mir mit „8 km Asphalt, ganz nett…“ angekündigt. Die ersten Blicke von der Schwarzen Hütte über den Weg wirken nicht, als wäre es hier sterbenslangweilig. Was mir aber von Anfang an auffällt, ist die Menge an Radlern. Vor allem E-Bike Fahrer. Und das entspannt den Weg wirklich nicht. Ich bin selbst begeisterter MTB Fahrer (ohne E!). Ich versuche tolerant zu sein. Die Leute hier machen es einem aber wirklich nicht leicht. Immer wieder stehe ich irgendwo, um den Ausblick zu genießen. Plötzlich rauscht hinter mir etwas ran und vorbei und ich bin zu Tode erschrocken. Oder sie kommen um die Kurve gerast und sind selbst höchst überrascht von der Geschwindigkeit. Die meisten sind Touris, leihen sich dann mal vor Ort ein E-Bike aus, ohne wirklich einschätzen zu können, was da an Geschwindigkeit auf sie zukommt. Oder dass man ruhig mal klingeln sollte, um auf sich aufmerksam zu machen… Egal, ich gehe meinen Weg und versuche die letzten Eindrücke zu genießen.
Parallel zum Weg erstreckt sich fast komplett der Rappenalpenbach. Anfangs noch im flachen Bett wird er immer wilder und rauschender. Zwischendrin begebe ich mich an sein Ufer, ziehe Schuhe und Socken aus und genieße das eiskalte Nass, was den Füßen definitiv guttut. Der ganze Weg ist umgeben von saftigen grünen Wiesen des Rappenalptals und den Berghängen, welche am Vortag noch erklommen wurden. Ich passiere die Sennalpe Breitengehren, entscheide mich aber gegen eine Einkehr, obwohl sie herrlich lockt. Nach kurzer Zeit erscheint rechts eine Brücke und der Weg kann geradeaus über den Asphalt nach Birgsau weiter gelaufen werden. Oder man überquert die Brücke und begibt sich auf ein letztes Stück Pfade durch den Wald. Für mich eine willkommene Abwechslung. Und eine einmalige Chance den noch mehr gewordenen, teils rücksichtslosen E-Bikern auszuweichen.
So genieße ich den schmalen Pfad, der mich zur am Vortag überquerten kleinen Brücke mit Wassersturz bringt und auf der Terrasse des Gasthof Einödsbach endet. Hier geht es nach wenigen hundert Metern gänzlich zurück in die Zivilisation in Birgsau. Der Bus bringt mich zurück zum Parkplatz Renksteg , wo ich an meinem Auto die Tour als beendet abschließe und später Andy und Thomas empfange, welche den Heilbronner Weg erfolgreich hinter sich gebracht haben. Als Belohnung gibt es noch ein leckeres gemeinsames Essen im Brauereigasthof Hirsch in Sonthofen. Und von dort aus machen wir uns auf den Heimweg. So endet ein wirklich tolles Wanderwochenende! 🙂
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