Hüttentour über Alpe Eschbach, Enzianhütte, Rappenseehütte, Schwarze Hütte, Einödsbach, Birgsau

Was man sich nicht alles antut, nur um neue Erfahrungen zu machen. Trotz teils bedenklicher Wetteraussichten machen wir uns auf den Weg in den Allgäu. Hüttenwanderung über Alpe Eschbach, Enzianhütte, Rappenseehütte, Schwarze Hütte, Einödsbach, Birgsau. Eine Tour zum Dazulernen und Grenzen erfahren.

Tag 1 : Alpe Eschbach zur Enzianhütte

Relativ früh stellen wir unser Auto am Parkplatz Renksteg ab und nehmen den Bus zur Alpe Eschbach. An der Bushaltestelle steigen wir aus und begeben uns direkt in Richtung Berggasthof Einödsbach. Schon zu Beginn genießen trotz des eher diesigem Wolkenwetters ein herzerfrischendes Bergpanorama. Petrus meint es gut für uns und so beginnt unser 1.200 Höhenmeter Aufstieg im Trockenen.

Der Weg umfasst alles, was das Herz des Bergwandern-Fans höher schlagen lässt. Hinter dem Berggasthof Einödsbach verschluckt uns der Wald und führt uns über einen schönen Waldpfad. Wurzelpfade wechseln sich mit steinigem Untergrund ab. Ein Wasserfall wird über eine Brücke passiert. Dank des feuchten Klimas duftet die Natur noch intensiver. Unser nächstes kleines Zwischenziel ist Peter’s Älpele. Sattgrüne Wiesen umgeben uns, der Blick ins Tal ist wunderbar. Der Blick schweift nach oben. Die Rappenseehütte ruft und wir folgen ihrem Locken 🙂

Der Weg wird nun steiler. Der Untergrund ist stellenweise rutschig und glatt von der feuchten Witterung. Es wird anstrengender und herausfordernder. Für mich als bekennendes Weichei wird es zunehmend schwierig, dem Pfad entspannt zu folgen. Der Kopf schaltet sich ein und die Tritte werden unsicherer. Das entgeht auch nicht meinen beiden Mitstreitern, die sich mehr und mehr Sorgen machen und mich bestmöglich unterstützen. Ich bin froh als wir die Enzianhütte erreichen und eine kleine Rast einlegen können.

Tag 1 : Aufstieg zur Rappenseehütte

Aus dem Tal zieht die graue Suppe mit hohem Tempo rein. Regen hatte sich bereits den ganzen Aufstieg zur Enzianhütte hin angekündigt. Wurde auch in den Wettervorhersagen schon bekannt gegeben. Es ist und bleibt ein etwas irreales Bild, wenn man sieht, wie schnell sich Nebel und Regen bewegen können. Trotz der zu erwartenden Mühen mit Rutscherei und Regen, starten wir den Aufstieg zur Rappenseehütte. Wie Andy richtig anmerkt, können wir das Wetter ja eh nicht auf der Enzianhütte aussitzen.

Da ich bereits bis hier hin echte Probleme mit dem rutschigen Gestein, Wurzelwerk und Matsch hatte, nehme ich nun doch die Stöcke zur Hilfe. Meine beiden Begleiter hatten vorher schon mehrfach gesagt, dass ich das tun solle. Als ausgeprägter Sturkopf hatte ich das abgelehnt. Ein richtig blöder Fehler wie ich jetzt merke. Es kommt einiges an Sicherheit dazu, der ganze Aufstieg passt nun trotz vermehrten Rutschens dank des Wetters. Die Stöcke finden ihren Weg und ich dadurch mehr Sicherheit. So lässt sich der Regen ein Bisserl besser ertragen.

Hinauf wird es noch etwas anstrengender. Die Pfade teils enger, jedes noch so kleine Rutschen muss korrigiert werden, was wiederum Kraft kostet. Rinnsale kommen vom Berg herunter und queren unseren Weg. Ein kleines Schneefeld muss überquert werden. Wiederum eine Stelle mit Weitblick ins Tal. Diese finden sich immer wieder und laden zum kurzen Halt ein. Dankend nehme ich an. Die Schritte werden kürzer und beschwerlicher. Irgendwann aber wird der Weg breiter und das Ziel nähert sich beständig. Ein letzter Pfad, seine Stufen verstärkt mit Holzpfählen, windet sich empor. Danach sind wir endlich am Ziel. Nach knapp 3,75 Stunden Aufstieg begrüßt uns die Rappenseehütte mit all ihrer Pracht.

Tag 1 : Übernachtung auf der Rappenseehütte mit Sonnenuntergang zum Verlieben

Wir können endlich unsere nassen Klamotten loswerden um im Trockenraum aufhängen. Ein Mahl, ein Bierchen, Dusche, frische, trockene Kleidung. Nach dem Anmelden bekommen wir ein Drei-Bett-Zimmer zugewiesen. Besser kann es kaum kommen. Wir packen die Hüttenschlafsäcke aus und nutzen die Zeit für einen Mittagsschlaf.

Nach dem Aufwachen werden wir von klarem Sonnenscheinwetter begrüßt. Es wurde bereits im Vorfeld angekündigt. Es dann aber auf der Rappenseehütte zu erleben, ist eine andere Sache. Traumhafte Ausblicke auf umgebende Gipfel. Ein wahnsinns Blick ins Tal. Es ist fantastisch! Jeder Schritt hier hoch war es wert! Wir genießen ein paar Getränke in der warmen Spätnachmittagssonne, die Laune ist prächtig und wir haben eine Menge Spaß. Ständig erreichen neue Leute die Hütte. Es macht sich eine entspannte Stimmung breit. Wir begeben uns in die Gaststube und ordern unser Abendessen. Sehr lecker. Irgendwann beginnt eine Gruppe Wanderer Lieder zu singen, begleitet von einer Gitarre. Schön ist es hier.

Die Hütte verlassen wir dann aber doch noch einmal. Der Sonnenuntergang steht an. Mit ihr das Alpenglühen. Gott ist das schön. Das Gestein um uns herum leuchtet im Licht der sich senkenden Sonne. Wir können uns gar nicht satt sehen. Es entstehen wunderbare Fotos. Und noch viel mehr Erinnerungen. Auf ein letztes Getränk betreten wir die Hütte, um später in einen erholsamen Schlaf zu fallen.

Tag 2 : Abschied und Abstieg über Eselweg zur Schwarzen Hütte

Der Morgen begrüßt uns mit einem sonnigen Lächeln. Der Tag verspricht richtig schön zu werden. Es sind Temperaturen bis zu 25 Grad angekündigt. Eigentlich Top Voraussetzungen, um nun zur Kemptner Hütte über den Heilbronner Weg aufzubrechen. Leider muss ich den Tatsachen ins Gesicht schauen: Mir fehlt die Kraft dafür heute. Und die alpine Erfahrung. Meine Trittsicherheit leidet schon durch das Kopfkino. Mangelnde Kraft und vor allem rutschiges Gestein tun den Rest. Es wäre Wahnsinn und absolut verantwortungslos, wenn ich mich unter diesen Umständen den anderen beiden anschließe und hier weiter mache. Ein anderes Mal dann halt. So verabschiede ich mich recht früh von Andy und Thomas, die den Heilbronner Weg nach unserem gemeinsamen, kräftigenden Frühstück machen werden. Meine Tour führt mich ein Stück weit zurück aus der Richtung des gestrigen Aufstiegs, biegt dann aber auf den Eselweg ab. Gut 850 Hm Abstieg bis zur Schwarzen Hütte warten auf mich.

Meine Sachen habe ich schnell gepackt. Die ersten Meter auf dem Weg sind etwas steif. Man merkt dann doch, dass man am Vortag schon was geleistet hat. Aber tolles Wetter, frische Luft, eine wunderschöne Landschaft und Bewegung, lassen die müden Beine wieder geschmeidiger werden. Es geht gemütlich auf breiteren Pfaden Richtung Tal. Die Höhenmeter purzeln recht fix. Weiden und Wald begleiten meinen Weg. Kühe weiden in der warmen Morgensonne. Ich halte an, um ein paar Eindrücke fotografisch festzuhalten. Eine Kuh kommt neugierig näher, ich bin gebannt. Leider kommt sie nicht ganz zu mir an den Zaun. Dafür werde ich beim Umdrehen auf den Weg von zwei Hühnern überrascht, die von unten den Weg hoch gelaufen kommen. Sie lassen sich groß von mir stören. Im Gegensatz. Eines lässt sich sogar streicheln, als wäre es ganz selbstverständlich. Ein kurioses Treffen. Die beiden ziehen weiter, picken immer auf dem Weg rum. Ich folge meinem Weg ebenfalls.

Irgendwann mehren sich die Steine und Wurzeln auf dem Pfad. Es geht langsam in den Wald hinein. Immer mehr Gestein durchzieht den Boden. Es ist feucht von dem Regen des Vortages. Matsch mischt sich dazu. Es wird weiter beschwerlicher, immer wieder rutsche ich aus, ohne jedoch zu stürzen. Es zehrt natürlich an den Kraftreserven. An manchen Stellen muss ich sehr vorsichtig sein, die Hände helfen mit aus. Stellenweise hat man vor sich fast den Abgrund, muss dort vorbei über glitschiges Gestein. Es gibt angenehmere Wege. Aber mit jedem Schritt kommt auch ein Stück Trittsicherheit dazu. Außerdem entschädigt die Natur um mich herum immer wieder für alles. Die Pflanzen duften herrlich, Wasserfälle und Bäche rauschen immer in der Nähe. Die Bäume geben zwischenzeitlich tolle Aussichten auf die Hänge der umgebenden Bergwelt und ins Tal frei. So bleiben zwei Drittel des Weges zwar anstrengend und stellenweise herausfordernd, aber am Ende grüßt die Schwarze Hütte. Die letzten Meter freuen sich die Füße über ebenerdigen Boden, welcher zur Hütte trägt und mit einem leckeren, kühlen Radler endet 🙂

Tag 2 : Von der Schwarzen Hütte nach Birgsau

Frisch gestärkt geht es auf die letzten Meter. Ich bin gespannt was mich erwartet. In der Rappenseehütte wurde es mir mit „8 km Asphalt, ganz nett…“ angekündigt. Die ersten Blicke von der Schwarzen Hütte über den Weg wirken nicht, als wäre es hier sterbenslangweilig. Was mir aber von Anfang an auffällt, ist die Menge an Radlern. Vor allem E-Bike Fahrer. Und das entspannt den Weg wirklich nicht. Ich bin selbst begeisterter MTB Fahrer (ohne E!). Ich versuche tolerant zu sein. Die Leute hier machen es einem aber wirklich nicht leicht. Immer wieder stehe ich irgendwo, um den Ausblick zu genießen. Plötzlich rauscht hinter mir etwas ran und vorbei und ich bin zu Tode erschrocken. Oder sie kommen um die Kurve gerast und sind selbst höchst überrascht von der Geschwindigkeit. Die meisten sind Touris, leihen sich dann mal vor Ort ein E-Bike aus, ohne wirklich einschätzen zu können, was da an Geschwindigkeit auf sie zukommt. Oder dass man ruhig mal klingeln sollte, um auf sich aufmerksam zu machen… Egal, ich gehe meinen Weg und versuche die letzten Eindrücke zu genießen.

Parallel zum Weg erstreckt sich fast komplett der Rappenalpenbach. Anfangs noch im flachen Bett wird er immer wilder und rauschender. Zwischendrin begebe ich mich an sein Ufer, ziehe Schuhe und Socken aus und genieße das eiskalte Nass, was den Füßen definitiv guttut. Der ganze Weg ist umgeben von saftigen grünen Wiesen des Rappenalptals und den Berghängen, welche am Vortag noch erklommen wurden. Ich passiere die Sennalpe Breitengehren, entscheide mich aber gegen eine Einkehr, obwohl sie herrlich lockt. Nach kurzer Zeit erscheint rechts eine Brücke und der Weg kann geradeaus über den Asphalt nach Birgsau weiter gelaufen werden. Oder man überquert die Brücke und begibt sich auf ein letztes Stück Pfade durch den Wald. Für mich eine willkommene Abwechslung. Und eine einmalige Chance den noch mehr gewordenen, teils rücksichtslosen E-Bikern auszuweichen.

So genieße ich den schmalen Pfad, der mich zur am Vortag überquerten kleinen Brücke mit Wassersturz bringt und auf der Terrasse des Gasthof Einödsbach endet. Hier geht es nach wenigen hundert Metern gänzlich zurück in die Zivilisation in Birgsau. Der Bus bringt mich zurück zum Parkplatz Renksteg , wo ich an meinem Auto die Tour als beendet abschließe und später Andy und Thomas empfange, welche den Heilbronner Weg erfolgreich hinter sich gebracht haben. Als Belohnung gibt es noch ein leckeres gemeinsames Essen im Brauereigasthof Hirsch in Sonthofen. Und von dort aus machen wir uns auf den Heimweg. So endet ein wirklich tolles Wanderwochenende! 🙂

Fazit zur Hüttentour über Alpe Eschbach, Enzianhütte, Rappenseehütte, Schwarze Hütte, Einödsbach, Birgsau

Wow war das anstrengend! Und wow war das eine tolle Erfahrung! Es hat nicht sollen sein mit dem Heilbronner Weg für mich. Aber auch so war es eine sehr tolle Erfahrung. Es hat Kraft gekostet, aber die Menschen, der Weg, die Erfahrungen, die Aussichten etc sind wunderschön! Ich würde die Strapazen definitiv wieder auf mich nehmen! Vielleicht sogar mit dem Heilbronner Weg 🙂

Zusammenfassung zur Hüttentour über Alpe Eschbach, Enzianhütte, Rappenseehütte, Schwarze Hütte, Einödsbach, Birgsau

Ausgangs- und Endpunkt: Parkplatz Renksteg
Distanz: Tag 1: 8,5 km / Tag 2: 11,7 km
Höhenmeter: Tag 1: 1.200 Hm / Tag 2: 1.200 Hm
Begangen Ende August 2019 bei diesigem/Regenwetter (Tag 1) und klarem, sonnigen Wetter (Tag 2)
Dauer: Tag 1: Knapp 3,75 Stunden / Tag 2: Knapp 4,5 Stunden
Schwierigkeit: Tag 1: Schwer, viel Kondition und sehr gute Trittsicherheit erforderlich / Tag 2: Mittelschwer, gute Kondition und gute Trittsicherheit erforderlich für den Abstieg
Wege: Bergpfade/-wege, Waldpfade, Asphalt, Geröll und Wurzeln
Klettersteig: Nein
Rundweg: Ja
Schwindelfreiheit: Absolut erforderlich
Trittsicherheit: Absolut erforderlich
Ausschilderung: Sehr gut ausgeschildert

Jochen Califice

Jochen Califice

Frei und raus. Wandern, Outdoor, Sport. Und immer auf der Suche nach Herausforderungen und Spaß. In meinem Blog möchte ich das Erlebte festhalten und teilen. Inspirieren, motivieren, beraten. Und einfach genießen zu schreiben 🙂

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