Oberallgäu : Nebelhorn Mittelstation zum Laufacher Eck über Großer Seekopf, Kleiner Seekopf und Schoch

Letzter Tag des Urlaubs im Oberallgäu 2014. Wir sind wieder wohlbehalten in der Bundesrepublik angekommen und werden auch hier den Urlaub ausklingen lassen. Es grüßt das Nebelhorn und wie nehmen die Einladung gerne an. Bestes Wetter mit Sonnenschein zum Abschluss einer schönen Woche. Los geht die wilde Fahrt und ab in die Nebelhornbahn.

Unsere Tour geht an der Mittelstation los. Begrüßt werden wir von einem Traum-Panorama über der Wolkendecke. Die zahlreichen umliegenden Gipfel werden von den Wolken umschmeichelt. die Sonne steht freundlich drüber. Nebel erhebt sich in den Wiesen und Weiten. Die ersten Wanderer sind unterwegs, alle frohen Mutes, gut gelaunt und immer mit einem Lächeln auf den Lippen.

Der Weg führt durch die Hügellandschaft und wir ergattern massenweise tolle Ausblicke. Wunderbar das Panorama hinunter ins Tal mit dem eingebetteten Seealpsee. Wir passieren ihn oberhalb und haben von hier aus eine tolle Aussicht. Er zeigt sein beste Seite. Ich bin wie immer ganz weit hinten dran, da ich erst mal einige Fotos machen muss… 🙂

Nach gut einer halben Stunde kommen wir von Asphaltwegen ab und betreten den Pfad am Berg entlang. Für mich eine ganz neue Erfahrung. Es ist kühl und an vielen Stellen auch noch feucht und rutschig. Die letzten Tage waren ja nicht gerade Sonnentage und das nasse Wetter hat den Boden in Matsch verwandelt und die Steine auch glatter werden lassen. Schon ein komisches Gefühl: Links der Berg, unter einem Stellenweise nur ein vielleicht 50 Zentimeter breiter Pfad und rechts neben mir geht es bergab. Ich schau hinunter, schlucke kräftig und versuche mir nicht vorzustellen wie arg weh es tun könnte, wenn ich da runter poltere. Das ist mal was anderes als Wandern in den Mittelgebirgen. Ich komme langsamerer voran als die anderen. Aber die Trekkingstöcke waren eine gute Investition und bringen unterstützenden Halt. Mit jedem Schritt wächst das Vertrauen in den Weg und das eigene Können. Immer besser geht es voran.

Wir passieren eine Höhle, ein paar Anhöhen, ein Geröllfeld. Zwischen drin kommt ein kleiner Aufstieg mit einem Halteseil. Erneut neue Erfahrungen für mich. Es fühlt sich toll an hier oben auf über 2.000 Meter unterwegs zu sein und das genießen zu dürfen. Das Wetter hält, ein feines Panorama jagt das andere. Wir sind einfach nur am Genießen. Sonne, umgebende Berggipfel, Täler aus denen das Bimmeln der Kuhglocken hoch klingt. Herrlich. Ich könnte hier bleiben 🙂

Für den Nachmittag ist schlechteres Wetter angesagt. Und da wir keinen Rundweg laufen, müssen wir uns irgendwann entscheiden wo wir umkehren und den Weg wieder zurück laufen. Einen festen Punkt hatten wir dafür vorher nicht ausgesucht. Nach gut drei Stunden erreichen wir einen feinen Felsvorsprung auf dem Weg zwischen Schoch und Laufacher Eck. Hier legen wir eine Rast ein und lassen uns die Sonne auf den Bauch brennen. Es ist wunderbar hier zu sitzen und einfach zu genießen. So hatte ich mir das immer wieder erhofft und nun darf ich es auch erleben. Wir tanken Kraft für den Rückweg und entscheiden uns dazu, dass wir nach der Rest von hier aus wieder zurück laufen.

Tja ich bin mal ehrlich… Der Rückweg ist eine ganz andere Sache als der Hinweg. Plötzlich ist der Berg rechts und der Abhang links. Mein linkes Bein wird plötzlich das Führende. Das bin ich null gewohnt und werde entsprechend unsicher. An manchen Stellen bin ich nur noch am Zittern. Aber ich komme voran… Und dann plötzlich der Blackout. Eigentlich nur vier Stufen abwärsts, vielleicht 1,00 – 1,20 Meter Höhe. Aber überzogen von Matsch. Gefühlt 30 cm breit und daneben geht’s bergab. Ein fieses Ding. Ich hab fast Tränen in den Augen vor lauter Schiss. Meine Begleiter reden mir gut zu. Ich setz mich auf den Boden und rutsche das Stück mehr hinunter als dass ich laufe. Dabei bin ich ein zitterndes Bündel, irgendwas von „Holt die Bergwacht, ich beweg mich keinen Meter weiter!“ wimmernd. Ein kleiner Schritt für die Mehrheit der Menschheit, ein riesen Schritt für mich! Das Schauspiel geht wahrscheinlich nur eine Minute. Mir kam es vor wie eine Ewigkeit. „Gerade hinstellen!“ befiehlt mir Dirk. Ein guter Tipp. Wenn man sich erst mal wieder überwunden hat gerade zu stehen, dann geht es einem besser…

Wir sind nun etwas langsamer unterwegs, da ein gewisser Wanderer etwas die Hosen voll hat und eine bedächtigere Gangart einfordert. Aber die anderen sind super nett und lassen sich darauf ein, statt mich einfach den Abhang runter zu schubsen, um den Ballast abzuwerfen. Riesen Dank nochmal im Nachhinein dafür! Und eine super Hilfe, dann da war ja noch dieser kleine Abschnitt mit dem Seil. Es war links. Es ging bergauf. Entsprechend war es nun rechts und es ging bergab. Passen zu dem was nun links war. Nämlich der Hang. Auch bergab. Und in diese Richtung ging es auch mit meinem Selbstvertrauen. Erneut Wimmern und Verlust der wichtigsten motorischen Fähigkeiten. Ein sau mieses Gefühl muss ich sagen! Wieder hilft nur gutes Zureden und gaaanz langsames Ran tasten. Ich komme mir vor wie ein störrischer Esel, der von seinen geduldigen Besitzern langsam den Weg lang geleitet wird. Immerhin war es unterhaltsam… Und ja: Es härtet ab! Hoffe ich zumindest. Auf jeden Fall lässt das Zittern auf dem Rest des Weges mehr und mehr nach. Trotzdem bin ich extrem froh, als wir vom schmalen Pfad entlang des Berges wieder auf einen breiten Weg kommen.

Nach gut fünf Stunden erreichen wir die Station bei bestem Wetter und genau so sonniger Laune. Leider muss ich feststelle, dass meine App nicht gescheit aufgezeichnet hat und heute kein GPX Track zur Verfügung steht. Kurzzeitig sinkt meine Laune daher ein ganzes Stück. Aber ich kann es ja nicht ändern, egal wie sehr ich mich drüber aufrege…
Wir sind angenehm erschöpft und hungrig, gönnen uns also erst mal die obligatorischen Erfrischungen. In diesem Fall lecker Kuchen, heiße Schokolade, Cola und vor allem Kaffee. Schee ist’s hier und ein toller Ausklang der Tour und des letzten Tages des Urlaubs. Ein Bisserl Wehmut überkommt mich bei dem Gedanken, dass ich bereits am kommenden Abend wieder in Hessen sein werde, weg von den Bergen. Aber es heißt nicht nicht umsonst Home Sweet Home. Und ganz sicher war es nicht mein letzter Abstecher in die Allgäuer Alpen! Good bye, meine neuen bergigen Freunde! Freue mich auf unser Wiedersehen! 🙂

Fazit zur Tour Nebelhorn Mittelstation zum Laufacher Eck über Großer Seekopf, Kleiner Seekopf und Schoch

Ein Highlight! Wahnsinns Panoramen und Ausblicke, angenehm anstrengend, etwas Nervenkitzel, Herausforderungen und bei diesem guten Wetter ein super Erlebnis. Sehr abwechslungsreiche Tour. Trotz der für mich neuen nervlichen Strapazen würde ich die Tour jederzeit wieder machen!

Zusammenfassung der Tour

Ausgangs- und Endpunkt: Nebelhornbahn Mittelstation, Oberstdorf
Strecke: Rund 9 km
Dauer: Mit kleinen Pausen und gemächlichem Tempo ca. 5 Stunden
Schwierigkeit: Mittel bis schwer. Gerade bei rutschigem Untergrund ist Technik gefragt.
Wege: Breite Schotterwege welche in schmale Pfade am Berg entlang übergehen
Klettersteig: Nein
Rundweg: Nein
Schwindelfreiheit: Erforderlich
Trittsicherheit: Erforderlich
Ausschilderung: Sehr gut ausgezeichnet, Karte sollte man aber jederzeit griffbereit haben
Wanderkarte: Oberstdorf – Kleinwalsertal: Kompass Wanderkarte mit Aktiv Guide, Radwegen, Loipen und alpinen Skitouren. GPS-genau. 1:25000

 

Jochen C

Frei und raus. Wandern, Outdoor, Sport. Und immer auf der Suche nach Herausforderungen und Spaß. In meinem Blog möchte ich das Erlebte festhalten und teilen. Inspirieren, motivieren, beraten. Und einfach genießen zu schreiben 🙂

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