Allgäuer Alpen : Luftiger Grat – Falkenhütte – Seelekopf – Stiegalpe

Endlich geht es los… Allgäuer Alpen, mein erstes Mal eine richtige Bergtour! Die Vorfreude ist riesig! Und sie soll nicht enttäuscht werden…
Am Abend vor der Tour sitzen wir zu viert in unserer wunderbaren Ferienwohnung „Beim Hansjokar“ in Gunzesried und diskutieren über die Tour. Es ist schnell klar, dass wir zum Einstieg erst mal was zum Reinschnuppern brauchen. Außer Dirk ist keiner von uns schon mal auf einer solchen Höhe gewesen. Das Wetter wird als eine Mischung aus Nebel und Feuchtigkeit angekündigt. Alles in allem also keine besten Voraussetzungen, um hoch hinaus zu gehen und womöglich noch ein paar kleine Klettereinheiten hinter sich zu bringen. Unsere Wahl fällt also auf eine Route im Bereich des Naturparks Nagelfluhkette, entlang der deutsch-österreichischen Grenze.

Den Ausgangspunkt bildet die Talstation der Hochgratbahn in Oberstaufen. Wir betreten eine der schicken Viererkabinen und sind auf dem Weg zur Bergstation Hochgratbahn auf 1.708 m Höhe. Die Nebelsuppe erweist sich als ausgewachsener Nebelkochtopf in voller Aktion. Zwischenzeitlich sehen wir beim Blick nach Draußen nichts mehr außer einer undurchdringlichen weißen Wand. Nur das Bimmeln der Kuhglocken irgendwo unterhalb der Gondel zeugt davon, dass da wohl ein Berg sein muss. Und irgendwo auch einer der Unmengen an Rindviechern, die uns die nächsten Tage noch zu Hauf über den Weg laufen werden.

Oben angekommen inspizieren wir nochmal die angebrachte Infotafel mit Karte und legen unsere Route fest. Sie führt über den Luftigen Grat zur Falkenhütte, dann zum Seelekopf über die Stiegalpe bis hinunter zur Talstation. Gut 10 km Weg, der größtenteils langsam bergab führen wird. Also ab in den Nebel und auf den Grat!

Der Weg führt uns auf einen schmalen Pfad entlang des Luftigen Grates. Schnell muss ich erkennen, dass es hier ein ganz anderes Laufen ist als in den bisher eher flacheren Touren, die ich bis dahin hinter mich brachte. Die Luft ist anders, das feuchte Wetter und der Nebel machen den Weg und Stein glatt und rutschig. Stellen mit Matsch und glitschigem Wurzelwerk finden sich alle paar Meter. Der Nebel lässt uns stellenweise nicht wieter als 15-20 m Sicht. Vielleicht ganz gut, denn so bekomme ich gar nicht so sehr mit, dass es neben mir immer wieder mal rasant runter geht. So bleibe ich dann doch recht entspannt und konzentriert und spare mir das „Ich geh keinen Schritt weiter!“-Angstgejammer für die Momente auf, wo ich den vollen Umfang der Heausforderung am Berg auch sehen kann. 🙂

Zwischendrin reißt der Himmel auf. Was soll ich sagen… Wow! Extremes Wow! Riesiges Wow! Ich will nicht übertreiben, nicht zu viel Pathos rein bringen. Aber das ist das mit Abstand Herrlichste, was ich je um mich herum gesehen und erlebt habe an Natur! Ich stehe auf dem Grat, schaue ins Tal mehrere hundert Meter hinunter, die Wolken und der Nebel umspielen die Bergspitzen in der weiteren Umgebung. Es ist zum Dahinschmelzen, einfach nur ehrfurchtserregend! Ich fühle mich angekommen und richtig glücklich, es ist noch schöner als ich es erwartet habe! Wir kommen durch kleine bewaldete Gebiete, entlang kleiner Kämme, an welchen uns nur kleine Steinwalle vom stark abfallenden Gelände trennen. Wir erklettern kleine Stiege mit Drahtseilen und klettern Leitern hinunter. Die abwechslungsreiche Strecke macht tierisch Spaß!

Nach gut 1,4 km erreichen wir das Gipfelkreuz des Seelekopf. Mein erster Gipfelkreuz überhaupt. Zwar nur 1.663 m Höhe, aber trotzdem bin ich stolz wie Bolle. Wir legen eine verdiente Rast ein und machen uns nach rund 10 Minuten weiter auf dem Weg. Nach rund 5 km erreichen wir den Berggasthof Falkenhütte. Erneut rasten wir und nehmen leckeren Kuchen auf der herrlichen Terrasse zu uns. Ich nutze die Chance und fülle meinen Wasservorrat auf.
Weiter geht’s in Richtung Oberstiegalpe, welche wir nach gut 7 km Gesamtweg erreichen. Erneut pausieren wir kurz und legen den Rest des Weges fest. Die restlichen drei Kilometer gehen wir ruhig und entspannt an, alle vier rundum glücklich aufgrund des Erlebten auf einer wunderbaren Tour. Leicht erschöpft, aber absolut zufrieden erreichen wir nach gut 10 km die Talstation und unser Auto und machen uns zurück in die Ferienwohnung.

Fazit zur Tour über Luftiger Grat – Falkenhütte – Seelekopf – Stiegalpe

Ich würde die Tour jederzeit wieder machen! Vor allem, um vielleicht bei besserem Wetter genauer zu sehen, wo uns die Reise lang führte. Wie schon erwähnt ist die Tour sehr abwechslungsreich und bietet eine schöne Mischung aus Auf und Ab, geschmeidigen Passagen ohne Anstrengung und wenigen Stücken, wo es etwas Technik, Kraft und Kondition braucht. Das nimmt man gerne in Kauf, wenn man dafür so sehr von der Natur belohnt wird.

Zusammenfassung der Tour

Ausgangs- und Endpunkt: Talstation der Hochgratbahn, Oberstaufen
Strecke: Rund 10 km
Dauer: Mit kleinen Pausen und gemächlichem Tempo ca. 5 bis 6 Stunden
Schwierigkeit: Größtenteils mittel. Streckenweise ein paar kleine Herausforderungen an Technik, Kondition und Kraft.
Wege: Gratwanderung, Wurzelwerk, Alpen, Steine, kleine seilgesicherte Stellen, Leitern… Alles dabei, was eine Bergtour braucht 🙂
Klettersteig: Nein
Rundweg: Ja
Schwindelfreiheit: Stellenweise erforderlich
Trittsicherheit: Oft erforderlich
Ausschilderung: Sehr gut ausgezeichnet, Karte sollte man aber jederzeit griffbereit haben
Die GPX-Datei ist bei GPSies verfügbar: http://www.gpsies.com/map.do?fileId=pjqkbhwrlsjrmsyu
Wanderkarte: Oberstdorf – Kleinwalsertal: Kompass Wanderkarte mit Aktiv Guide, Radwegen, Loipen und alpinen Skitouren. GPS-genau. 1:25000

 

Jochen C

Frei und raus. Wandern, Outdoor, Sport. Und immer auf der Suche nach Herausforderungen und Spaß. In meinem Blog möchte ich das Erlebte festhalten und teilen. Inspirieren, motivieren, beraten. Und einfach genießen zu schreiben 🙂

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